Geburtstagsgedichte von früher

Anlässlich eines Geburtstages im Familien- oder Freundeskreis erfreuen sich Reime und Gedichte sehr großer Beliebtheit. Die Verwendung von lyrischen Elementen für Geburtstagswünsche und -grüße ist bereits seit der Antike belegt. Im deutschsprachigen Raum entstanden vor allem im 19. Jahrhundert, beginnend in der literarischen Epoche der Romantik, zahlreiche Geburtstagsreime und Glückwunschgedichte.

Zu diesen Anlässen sind Geburtstagsgedichte von früher auch heute noch sehr angesagt

Viele dieser Reime und Gedichte lassen sich auch heutzutage noch wunderbar für Glückwunschkarten und als rezitiertes Gedicht bei Geburtstagsfeiern verwenden. Adressaten wären beispielsweise Großeltern, Großonkeln und Großtanten sowie andere ältere Familienmitglieder, die den Autorinnen und Autoren dieser Zeit oftmals viel näher sind als die jüngeren Generationen, da deren Werke Teil des Literaturkanons ihrer Schulzeit waren. Mit einem klassischen Geburtstagsgedicht auf einer Karte oder einer Darbietung im Rahmen des Gratulierens lassen sich bei älteren Menschen häufig Kindheitserinnerungen wecken. Ein Geburtstagsgedicht von früher vermag somit häufig besonders große Freude auszulösen.
Selbstverständlich können Geburtstagsgedichte aus vergangenen Epochen jedoch auch anders ganz trefflich eingesetzt werden. Mit einem Geburtstagsklassiker lässt sich häufig eine ganz besonders feierliche Stimmung schaffen und die Person, deren Ehrentag gefeiert wird, fühlt sich möglicherweise durch ein gedrucktes oder dargebrachtes Gedicht von früher besonders geehrt.
Es könnte jedoch auch sein, dass eine Geburtstagsfeier ein bestimmtes Motto hat. Dies könnte beispielsweise Biedermeier oder Rokoko lauten. Anlässlich eines solchen Mottos erschiene es natürlich mehr als angebracht, auch Reime und Gedichte der jeweiligen Epoche aufleben zu lassen.
Für die Verwendung eines Geburtstagsgedichtes von früher kann es also unterschiedliche Beweggründe und Anlässe geben. Es erscheint somit sehr gut nachvollziehbar, dass gerade zu besonders intensiv zelebrierten Anlässen wie etwa runden Geburtstagen sehr gerne Klassiker unter den Geburtstagsreimen und -gedichten eingesetzt werden.

Geburtstagsgruß von Joachim Ringelnatz (1928)

Der deutsche Schriftsteller, Kabarettist und Maler Joachim Ringelnatz, der insbesondere zur Zeit der Weimarer Republik besonders bekannt und beliebt war, veröffentlichte in seiner 1928 herausgegebenen Sammlung „Gedichte, Allerdings“ ein zeitlos populäres und gerne rezitiertes Gedicht mit dem Titel „Geburtstagsgruß“:

Ach, wie schön, dass Du geboren bist!

Gratuliere uns, dass wir Dich haben,

Dass wir Deines Herzens gute Gaben

Oft genießen dürfen ohne List.

Deine Mängel, Deine Fehler sind

Gegen das gewogen harmlos klein.

Heut nach vierzig Jahren wirst Du sein:

Immer noch ein Geburtstagskind.

Möchtest Du: nie lange traurig oder krank

Sein. Und wenig Hässliches erfahren.-

Deinen Eltern sagen wir unseren

Fröhlichen Dank dafür,

Dass sie Dich gebaren.

Gott bewirke Dir

Alle Deine Schritte;

Ja, das wünschen wir,

Deine Freunde und darunter (bitte)

Dein …

Nach dem Wörtchen „Dein“ in der letzten Verszeile lässt sich der Name jener Person ergänzen, die dem Jubilar ihre Glückwünsche übermitteln möchte.

„Zur Geburtstagsfeier“ von Friedrich von Schiller

Zu den bekanntesten Verfassern eines Geburtstagsgedichts zählt der berühmte Dichter Friedrich von Schiller. Ein von ihm verfasstes Gedicht mit dem Titel „Zur Geburtstagsfeier“ wird 1823, also 18 Jahre nach seinem Tod, im literarischen Conversations-Blatte veröffentlicht.

Zur Geburtstagsfeier

Feierlich empfangen wir die Sonne,

Mit der Freude herzlichem Gesang,

Wo des jungen Lebens Frühlingswonne

Einst auf Deine Wiege niedersank:

Sieh! Wir bringen mit gerührtem Herzen

Dir, o Vater! Diese Blumen dar.

Winde, Vater! Unter frohen Scherzen

Sie Dir lächelnd in das Silberhaar!

Denn der Gute, der des schönen Pflanze

Früh schon in dem reinen Busen nährt,

Welcher nach der Tugend heil’gem Kranze

Ringt – er ist der Freudenthräne werth. –

Schiller verfasste dieses Gedicht laut seinen Biografen während eines Aufenthalts in Dresden.

Johann Wolfgang von Goethe, „Dem Fürsten Hardenberg zum siebzigsten Geburtstag“

Keinesfalls unerwähnt bleiben sollte natürlich, dass auch Schillers berühmter Gegenspieler, mit dem ihm später eine Freundschaft verband, Johann Wolfgang von Goethe, ein sehr bekanntes Geburtstagsgedicht verfasste. Goethes „Dem Fürsten Hardenberg zum siebzigsten Geburtstag“ hat einen für die gesamte Leserschaft klar zu erkennenden Adressaten. Es lässt sich allerdings sehr einfach adaptieren und abändern und wird daher gerne rezitiert und umgedichtet.

Wer die Körner wollte zählen,

Die dem Stundenglas entrinnen,

Würde Zeit und Ziel verfehlen,

Solchem Strome nachzusinnen.

Auch vergehn uns die Gedanken,

Wenn wir in Dein Leben schauen,

Freien Geist in Erdeschranken,

Festes Handeln und Vertrauen.

So entrinnen jeder Stunde

Fügsam glückliche Geschäfte.

Segen Dir von Mund zu Munde!

Neuen Mut und frische Kräfte!

Ein Geburtstagsaphorismus von Marie von Ebner-Eschenbach

Die österreichische Erzählerin, Aphoristikerin und Novellistin Marie von Ebner-Eschenbach verfasste ein ebenso kompaktes wie beliebtes und als weise verehrtes Gedicht, das dank seiner Kürze als Aphorismus Platz auf allen Billets und Grußkarten findet:

Feiere jeden Geburtstag als ob es der letzte wäre und bedenke,

daß Liebe das einzige Geschenk ist, das wirklich die Mühe wert ist, zu geben.

Diese Verse wurden 1893 im Werk „Aphorismen, Parabeln, Märchen und Gedichte“, das auch unter der Bezeichnung „Gesammelte Schriften, 1. Band“ bekannt ist, in Berlin veröffentlicht. Sie zählen zu jenen Zeilen Ebner-Eschenbachs, die bis dato am häufigsten zitiert worden sind.

Ein populäres Geburtstagsgedicht von Theodor Fontane

Der deutsche Autor, Erzähler, Journalist und Theaterkritiker Theodor Fontane (1819-1898) verfasste ein kurzes und prägnantes Gedicht mit vollem Endreim, das sich sogar Kinder äußerst schnell und wirksam einprägen können:

Kummer sei lahm!

Sorge sei blind!

Es lebe das Geburtstagskind!

Dieses Gedicht wird schon in Kindergärten gelehrt und aufgesagt und von kleinen Kindern üblicherweise sehr schnell gelernt und verinnerlicht. Die Kürze, der Endreim und die optimistische Botschaft des Gedichts tragen mit Sicherheit das ihre zur Beliebtheit dieses Dreizeilers bei.

Fazit

In Reim- und Gedichtform vorgetragene und übermittelte Geburtstagswünsche sind wohl so alt wie die Textgattung selbst. Einige Reime und Gedichte haben viele Jahrzehnte überstanden und erfreuen sich auch im 21. Jahrhundert noch dermaßen großer Beliebtheit, dass sie selbst von Kindern und Jugendlichen mühelos gelernt und rezitiert werden können.
Diese Beispiele zeigen, dass Geburtstagsgedichte von früher auch heute von beliebt und relevant sind. Diese ausgewählten Gedichte stehen stellvertretend für einen umfangreichen Kanon an Lyrik, die gut und gerne als zeitlose bezeichnet werden kann. Gedichte von früher können ältere und bildungsnahe Menschen ansprechen und besonders erfreuen. Sie sind jedoch nicht auf diese Adressaten beschränkt, sondern können für so gut wie jede Geburtstagskarte und so gut wie jede Feier verwendet werden. Veränderungen und Adaptierungen sind nicht nur möglich, sondern werden oftmals gewünscht und gutgeheißen, um das Gedicht noch zielgerichteter an die Person zu richten, deren Ehrentag gefeiert wird.